Markus Schulze

Markus Schulze wurde am 02.06.1967 in Gladbeck geboren. Leben und Arbeit findet für ihn seit 20Jahren in Köln statt, wo er als freier Fotograf sowie als Dozent für Fotografie tätig ist. Als angewandter Fotograf arbeitet er mit Schwerpunkt im Bereich der Corporate Fotografie für die Industrie und für freie Bildungseinrichtungen.

In seiner Schulzeit hatte er schon ein besonderes Interesse für gesellschaftliche und soziale Themen. In dieser Zeit machte er auch erste Erfahrungen mit der Fotografie und der Arbeit im schwarzweiß Labor. Er war dabei schon immer von der Möglichkeit fasziniert, durch die Kamera einen vergänglichen Moment und die damit verbundene, eigene Wahrnehmung des Augenblicks, zu bewahren.

Seine Offenheit und die Bereitschaft den eigenen Horizont durch die Erfahrung aus teils gegensätzliche Standpunkten zu suchen, eröffnen ihm immer wieder neue Einblicke und Perspektiven. So leistet er seinen Wehrdienst nach dem Abitur (1988 u.a. im Fach Kunst) freiwillig bei den Fallschirmjägern. Durch diese Zeit ist auch das Bedürfnis nach einer stärker, kreativen Tätigkeit gewachsen und er begann seine Ausbildung zum Fotografen in Europas größtem Werbe- und Interieurstudio, den Vogelsängerstudios bei Bielefeld.

Während der Lehrzeit stieß er auf die damals aufkeimende Subkultur der Technoszene. Fasziniert von der revolutionären Energie dieser Jugendkultur, gab er seine inzwischen feste Stelle als „fertiger“ Werbefotograf auf und begann als Fotograf und Bildredakteur bei einem bekannten Szenemagazin.

Dieser Wechsel in die dokumentarische Fotografie verband nicht nur die zwei großen Leidenschaften aus Fotografie und elektronischer Musik. Vor allem konnte er seine Fähigkeit ausbauen, die Kamera als direkten Übersetzer zu nutzen um eine Atmosphäre oder Situation zu beschreiben. Er bezeichnet diese Erfahrung auch gerne als einen befreienden Schritt von den rein technischen und handwerklichen Anforderungen der angewandten Fotografie, die kreative Prozesse durchaus blockieren kann. Man könnte es als eine Art Reanimation seiner ursprünglichen Leidenschaften im Umgang mit der Fotografie bezeichnen. So vertieft er seine freie, fotografische Arbeit weiter im Bereich der Candid photography. Eine schon sehr frühe, fotografische Arbeitsweise der Dokumentationsfotografie.

In seinen Arbeiten nutzt er gerne die klinische Reduzierung der Sachlichkeit einer Produktaufnahme und präsentiert mit dieser Technik authentische Objekte wie abgestorbene Blüten oder gebrauchte Objekte. Auf dem sachlichen, unendlichen Weiß offenbaren die Objekte ihre Herkunft, Geschichte oder Einsatzbereich und schaffen den Raum für eigene Assoziationen beim Betrachter. Eine Technik, die schon in den 90ern durch Fotografen wie Oliviero Toscani bei der Werbung für Benetton eingesetzt wurde. Dort hatte er unter anderem mit einem Foto von der blutigen Kleidung eines getöteten Soldaten im Jugoslawienkonflikt auf weißem Hintergrund eine öffentliche Diskussion ausgelöst.

 

In jüngster Zeit beschäftigen ihn die wachsenden Veränderungen der digitalen Revolution. Das betrifft besonders den starken Wandel der Wahrnehmung von Bildern. Alles scheint sich den Vorgaben eines durchschnittlichen Schönheitsideals zu unterwerfen. Herausragende Fotos werden offensichtlich weniger wichtig und scheinen unter einem durchschnittlichen, ordinärem Klangteppich unter zu gehen und lösen damit die ursprünglichen Aufgaben der Fotografie auf.

Mit seinen jüngsten Arbeiten will er deshalb eine direkte Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie beim Betrachter schaffen. Das Bild soll nicht nur an der Wand in einem Rahmen gefangen darauf warten entdeckt zu werden sondern es soll aus seiner klassischen Präsentationsform heraustreten und durch eine Form der Interaktion die Bedeutung eines Fotos heraus stellen.

So hat Markus Schulze nicht nur einen Weg gefunden, seine Fähigkeiten aus der angewandten Fotografie in seine konzeptionelle Arbeit zu integrieren, sondern hat auch besonders Freude an Projekten aus dem beruflichen Alltag, in die seine konzeptionelle Arbeit offensichtlich mit einfließen kann. So zum Beispiel bei der Anfertigung einer Dokumentationsserie zur Stadt Wuppertal für ein Orientierungskonzept einer Krankenhauskette.

Um den Exkurs zwischen angewandter und konzeptioneller Fotografie weiter zu entwickeln und die Diskussion über die Bedeutung der Fotografie zu erhalten, gründete er in einem Pförtnerraum eines ehemaligen Möbelhauses die Fotowache.

 

Markus Schulze